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Parodontologie & Zahnfleisch

Zahnfleischtaschen reinigen: Wann Hausmittel an ihre Grenzen stoßen

Blut auf der Zahnbürste ist kein kleines Signal, das man mit einer Spülung wegspült.

Zahnfleischtaschen reinigen: Wann Hausmittel an ihre Grenzen stoßen

Es ist häufig der sichtbare Hinweis auf einen Entzündungsprozess, der unter dem Zahnfleischrand längst seine eigene Mechanik entwickelt hat – zwischen Zahnwurzel und Kieferknochen, in einem Spalt, der beim gesunden Zahnhalteapparat nur wenige Millimeter tief ist. Wer jetzt zu Salbeitee und Kochsalzlösung greift, weil das Internet es empfiehlt, behandelt eine Warnleuchte mit einem Taschentuch.

Die Frage Zahnfleischtaschen reinigen: Hausmittel oder professionelle Hilfe ist deshalb keine Geschmacksfrage. Sie ist eine Frage der Anatomie. Oberflächliche Reizungen lassen sich durch konsequente Mundhygiene oft beruhigen. Eine entzündete, vertiefte Zahnfleischtasche mit fest anhaftenden Belägen liegt jedoch dort, wo Zahnbürste, Mundspülung und Kräutersud nicht mehr zuverlässig hingelangen.

Die Anatomie der Gefahr: Ab wann Zahnfleischtaschen behandlungsbedürftig sind

Der gesunde Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch heißt Sulcus. In ihm sammelt sich ein hauchdünner Film aus Speichel, Bakterien und abgeschilferten Zellen – und genau dort gehört er auch hin. Problematisch wird es, wenn sich dieser Spalt vertieft. Dann hat sich das Zahnfleisch durch die Entzündung vom Zahn gelöst; aus dem schmalen Sulcus ist eine Zahnfleischtasche geworden.

Die Vertiefung entsteht nicht einfach, weil jemand einmal schlecht geputzt hat. Am Anfang steht meist ein bakterieller Biofilm am Zahnfleischrand. Reagiert das Gewebe dauerhaft auf diese Beläge, schwillt es an, blutet leichter und verliert den engen Kontakt zur Zahnoberfläche. Mit fortschreitender Entzündung können sich die Fasern des Zahnhalteapparats lösen und der umgebende Knochen zurückbilden. Die Tasche wird tiefer – und damit noch schwerer selbst zu reinigen.

Die Parodontalsonde liefert hier die nüchternste Diagnostik der Zahnmedizin. Das fein geeichte Instrument mit Millimeterskala wird an mehreren Stellen jedes Zahns vorsichtig in den Spalt geführt. Gemessen wird unter anderem an den Flächen zur Wange und zur Zunge sowie an den jeweiligen Kontaktseiten zu den Nachbarzähnen. Entscheidend ist nicht ein einzelner Wert, sondern das Muster: Wie tief sind die Taschen? Blutet es bei der Messung? Gibt es Beläge, Zahnstein, Zahnlockerungen oder freiliegende Wurzeloberflächen?

Gesundes Zahnfleisch liegt eng am Zahn an. Sondierungstiefen im niedrigen Millimeterbereich können dabei noch im unauffälligen Bereich liegen, müssen aber immer zusammen mit Blutung und dem übrigen Befund bewertet werden. Wird die Tasche deutlich tiefer, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort bakterielle Beläge festsetzen, die zu Hause nicht mehr vollständig erreichbar sind. Ab einer bestimmten Tiefe ist nicht mehr die Frage entscheidend, welches Hausmittel am besten spült, sondern ob die Wurzeloberfläche professionell gereinigt werden muss.

Parodontale Veränderungen sind bei Erwachsenen und älteren Menschen häufig. Das macht sie allerdings nicht zu einer normalen Begleiterscheinung des Älterwerdens. Zahnfleischbluten, wiederkehrende Schwellungen, Mundgeruch oder länger werdende Zähne sind keine Symptome, die man einfach hinnehmen sollte. Wer seine Taschentiefe nicht kennt, kennt auch sein parodontales Risiko nicht.

Eine Zahnfleischtasche ist kein kosmetisches Thema, sondern eine Gewebetasche mit eigener Bakteriologie – gemessen wird in Millimetern, nicht in Wohlgefühl.

Welche Anzeichen ernst genommen werden sollten

Eine Parodontitis kann lange erstaunlich wenig Beschwerden verursachen. Starke Zahnschmerzen, wie man sie von einer akuten Entzündung des Zahnnervs kennt, fehlen häufig. Gerade das macht die Erkrankung tückisch. Der Prozess kann fortschreiten, während sich der Betroffene an gelegentliches Zahnfleischbluten gewöhnt.

Aufmerksam werden sollte man insbesondere bei:

  • wiederholtem Bluten beim Putzen oder bei der Reinigung der Zahnzwischenräume,
  • gerötetem, geschwollenem oder empfindlichem Zahnfleisch,
  • anhaltendem Mundgeruch trotz gründlicher Mundhygiene,
  • einem Zahnfleischrückgang oder sichtbar länger wirkenden Zähnen,
  • neuen Lücken zwischen den Zähnen oder veränderten Zahnstellungen,
  • lockeren Zähnen,
  • Eiter beziehungsweise einer schmerzhaften Schwellung am Zahnfleisch,
  • unangenehmer Empfindlichkeit an freiliegenden Zahnhälsen.

Nicht jedes dieser Zeichen beweist eine Parodontitis. Zusammen sind sie jedoch ein guter Grund, den Befund nicht mit einer weiteren Mundspülung zu vertagen.

Grenzen der Selbsthilfe: Warum Salzwasser und Kräuter tief sitzende Bakterien nicht erreichen

Kamille, Salbei, Kochsalzlösungen, Teebaumöl und Ölziehen gehören zu den klassischen Hausmitteln gegen gereiztes Zahnfleisch. Sie sind nicht alle grundsätzlich sinnlos. Eine milde Spülung kann kurzfristig angenehm sein, Schleimhautreize lindern oder lose Speisereste entfernen. Sie kann aber keine tief sitzende Zahnfleischtasche ausheilen.

Der Grund ist nicht kompliziert: Eine Flüssigkeit spült dort, wo sie hinkommt. Eine vertiefte Tasche ist jedoch kein gerader, frei zugänglicher Kanal. Ihr Eingang kann durch geschwollenes Gewebe eingeengt sein; an der Wurzeloberfläche haften weiche Beläge und verhärtete Ablagerungen. Je weiter die Entzündung fortgeschritten ist, desto weniger reicht es, nur die sichtbare Umgebung zu benetzen.

Der Biofilm ist das eigentliche Problem dieser Diskussion. Er besteht nicht bloß aus lose aufliegenden Bakterien, sondern aus einer strukturierten Gemeinschaft verschiedener Mikroorganismen, die in eine selbst gebildete Matrix eingebettet ist. Diese Struktur schützt den Biofilm vor äußeren Einflüssen. Wird er nicht mechanisch gestört, kann er sich weiterentwickeln und die Entzündungsreaktion des Gewebes aufrechterhalten.

Ein entzündungshemmender Tee kann das subjektive Brennen vorübergehend dämpfen. Eine Spülung kann den Geschmack im Mund verändern und kurzfristig das Gefühl von Sauberkeit erzeugen. Beides sagt jedoch wenig darüber aus, ob die Wurzeloberfläche sauber geworden ist. Auch ein Rückgang der Rötung bedeutet nicht automatisch, dass die Ursache beseitigt wurde. Symptome können leiser werden, während die Tasche bestehen bleibt.

Warum Zahnstein nicht ausgespült werden kann

Sobald weicher Belag mineralisiert, entsteht Zahnstein. Im Bereich einer Zahnfleischtasche können sich solche harten Ablagerungen an der Wurzeloberfläche festsetzen. Sie fühlen sich nicht immer deutlich an, sind nicht zwingend sichtbar und liegen oft unterhalb des Zahnfleischsaums. Dort sind sie mit einer normalen Zahnbürste nicht erreichbar.

Auch Interdentalbürsten haben eine wichtige, aber begrenzte Aufgabe. Sie reinigen den zugänglichen Zahnzwischenraum und können den Biofilm am Zahnfleischrand wirksam reduzieren. Sie ersetzen jedoch keine professionelle Entfernung von Konkrementen an einer tiefen Wurzeloberfläche. Eine Munddusche kann lose Partikel ausspülen und die tägliche Reinigung ergänzen. Sie schabt aber keinen fest haftenden Zahnstein von der Wurzel.

Das gilt auch für aggressive Selbstversuche. Wer mit spitzen Gegenständen am Zahnfleischrand kratzt, beschädigt leicht das Gewebe oder verletzt die Wurzeloberfläche. Ätherische Öle können Schleimhäute reizen und sind nicht automatisch harmlos, nur weil sie pflanzlichen Ursprungs sind. Unverdünnte oder häufig angewendete Substanzen können die Beschwerden sogar verstärken.

MaßnahmeWobei sie helfen kannWo ihre Grenze liegt
ZahnbürsteEntfernt weichen Belag an den zugänglichen FlächenErreicht tiefe Taschen und harte Ablagerungen an der Wurzel nicht
InterdentalbürsteReinigt passende Zahnzwischenräume und den TaschenrandKann tief sitzende Konkremente nicht zuverlässig entfernen
MundduscheSpült lose Speisereste und Partikel ausErsetzt keine mechanische Wurzelreinigung
Kochsalz- oder KräuterspülungKann gereiztes Gewebe kurzfristig beruhigenBeseitigt weder Biofilm noch Zahnstein in der Tiefe
Professionelle ReinigungEntfernt Beläge und Konkremente gezieltIst nur langfristig erfolgreich, wenn die häusliche Pflege anschließt

Die Selbsthilfe ist also nicht wertlos. Sie gehört an die richtige Stelle: zur täglichen Kontrolle des Biofilms und zur Unterstützung nach einer Behandlung. Sie ist kein Ersatz für die Untersuchung, wenn die Entzündung wiederkehrt oder bereits eine vertiefte Tasche vorliegt.

Der professionelle Standard: Ablauf der systematischen Taschenreinigung

Wenn Hausmittel an ihre physikalische Grenze stoßen, beginnt die Arbeit der Zahnarztpraxis. Sie folgt einem klaren Ablauf und hat nichts mit einer kosmetischen Wellnessbehandlung zu tun. Ziel ist, die Entzündungsursache zu erfassen, die betroffenen Wurzeloberflächen zu reinigen und die Voraussetzungen für eine stabile Erhaltung zu schaffen.

Am Anfang steht die vollständige Befunderhebung. Ein parodontaler Screening-Index kann zunächst Hinweise geben, ob eine weiterführende Untersuchung notwendig ist. Bei auffälligen Befunden folgt die ausführliche Taschenmessung an mehreren Punkten pro Zahn. Dokumentiert werden je nach Situation auch Blutungen, Zahnlockerungen, freiliegende Wurzeloberflächen und die Beteiligung von Bereichen, in denen sich die Wurzeln eines mehrwurzeligen Zahns teilen. Röntgenaufnahmen können zusätzlich zeigen, wie der Knochenverlauf aussieht.

Erst aus diesem Gesamtbild ergibt sich, welche Behandlung sinnvoll ist. Eine einzelne Zahl ist wichtig, aber sie steht nie allein. Eine Tasche kann bei der Messung tief erscheinen, weil das Zahnfleisch geschwollen ist. Umgekehrt kann eine Entzündung bei einem zurückgegangenen Zahnfleisch weniger dramatisch wirken, obwohl bereits Halteapparat verloren gegangen ist. Blutung, Knochenabbau, Beläge und die Entwicklung im Verlauf gehören zusammen.

Die einzelnen Schritte der Taschenreinigung

Die Behandlung wird häufig in mehrere Abschnitte gegliedert:

1. Befund und Planung: Die Taschen werden vermessen, Beläge und Risikofaktoren werden erfasst. Dazu gehört auch die Frage, ob Rauchen, Diabetes, bestimmte Medikamente oder andere Faktoren die Entzündung beeinflussen.

2. Hygienephase: Weiche Beläge und sichtbarer Zahnstein werden entfernt. Gleichzeitig wird die tägliche Mundhygiene angepasst. Dabei geht es nicht um möglichst viele Produkte, sondern um die richtige Technik und passende Hilfsmittel für die konkrete Situation.

3. Subgingivale Reinigung: Bei tieferen Taschen werden die Wurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischsaums gereinigt. Zum Einsatz kommen je nach Befund Handinstrumente und Ultraschallinstrumente. Wenn die Behandlung empfindlich wäre, kann eine örtliche Betäubung sinnvoll sein.

4. Kontrolle: Nach einer Heilungsphase wird überprüft, wie das Zahnfleisch reagiert hat. Entscheidend ist, ob die Blutung zurückgegangen ist, ob die Taschen flacher und stabiler sind und ob noch einzelne Stellen weiter behandelt werden müssen.

5. Weiterführende Therapie: Bleiben bestimmte Taschen trotz sorgfältiger Reinigung bestehen, kann ein chirurgischer Zugang erforderlich sein. In ausgewählten Situationen kommen regenerative Verfahren infrage. Das ist keine Standardlösung für jede Tasche, sondern hängt vom Knochendefekt und vom individuellen Befund ab.

Die geschlossene Reinigung wird oft als tiefe Reinigung oder Kürettage bezeichnet. Dabei wird das Zahnfleisch nicht grundsätzlich aufgeklappt. Die Instrumente werden vorsichtig in die Tasche geführt, um Beläge und Konkremente von der Wurzeloberfläche zu lösen. Bei einem ungünstigen Zugang oder sehr tiefen, komplexen Defekten kann eine offene Behandlung notwendig werden. Dann wird das Gewebe unter lokaler Betäubung so weit gelöst, dass die betroffene Wurzel unter Sicht gereinigt werden kann. Anschließend wird das Zahnfleisch wieder angepasst.

Die Behandlung kann danach vorübergehend zu empfindlichen Zahnhälsen führen. Auch leichte Blutungen oder ein Spannungsgefühl sind möglich. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Reinigung zu aggressiv war. Häufig wird der Zahn erst sichtbar länger, weil die entzündliche Schwellung zurückgeht. Über die zu erwartenden Beschwerden, die häusliche Pflege und die geeigneten Schmerzmittel sollte die Praxis individuell informieren.

Was zusätzliche Verfahren leisten – und was nicht

Lokal angewendete antibakterielle Präparate, antiseptische Gele oder andere ergänzende Verfahren können in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Auch photodynamische Verfahren oder eine Laseranwendung werden in der Parodontologie angeboten. Ihre Rolle muss jedoch zum Befund passen. Keine dieser Methoden ersetzt die mechanische Entfernung des Belags von der Wurzeloberfläche.

Eine systemische Antibiotikagabe ist ebenfalls kein allgemeiner Standard für jede Zahnfleischtasche. Sie kann in ausgewählten Fällen erwogen werden, etwa bei bestimmten aggressiven oder schwer kontrollierbaren Verläufen. Die Entscheidung gehört in die Hand der behandelnden Zahnärztin oder des behandelnden Zahnarztes und sollte nicht aus dem Wunsch entstehen, eine Reinigung abzukürzen.

Was die Sonde misst, ist unbestechlich: Millimeter entscheiden, ob gespült, gereinigt oder weiterführend behandelt wird – nicht Marktversprechen.

Auch bei den Kosten einer professionellen Zahnfleischtaschenreinigung lässt sich deshalb kein seriöser Pauschalbetrag nennen. Aufwand und Abrechnung hängen unter anderem von der Zahl und Tiefe der Taschen, der Anzahl der betroffenen Zähne, dem notwendigen Instrumentarium und dem Behandlungsumfang ab. Bei gesetzlich Versicherten gelten für die systematische Parodontitistherapie eigene Voraussetzungen und Regelungen; private Versicherungen prüfen nach Tarif. Die Praxis sollte vor Beginn erklären, welche Schritte geplant sind und welche Kosten voraussichtlich entstehen.

Systemische Risiken: Warum unbehandelte Entzündungen den ganzen Körper belasten

Die Zahnfleischtasche ist kein isoliertes Fach in der Mundhöhle. Sie steht für eine chronisch entzündete Gewebesituation, in der Bakterien und Entzündungsmediatoren immer wieder mit dem Kreislauf in Kontakt kommen können. Das bedeutet nicht, dass jede Zahnfleischentzündung unmittelbar eine schwere Allgemeinerkrankung verursacht. Es bedeutet aber, dass eine unbehandelte Parodontitis nicht nur die Zähne betrifft.

Besonders deutlich ist die Wechselwirkung mit Diabetes. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker kann die Abwehr und die Heilung im Zahnfleisch beeinträchtigen. Umgekehrt kann die chronische Entzündung einer Parodontitis die Einstellung des Stoffwechsels erschweren. Beide Erkrankungen sollten deshalb nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Bei einer bekannten Diabeteserkrankung gehört die Information der Zahnarztpraxis zum Befund; bei auffälligen parodontalen Veränderungen kann umgekehrt ein ärztlicher Blick auf den Stoffwechsel sinnvoll sein.

Auch zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehen wissenschaftlich beschriebene Zusammenhänge. Dabei muss man sauber bleiben: Ein Zusammenhang beweist nicht automatisch, dass die Zahnfleischentzündung allein eine bestimmte Gefäßerkrankung verursacht. Gemeinsame Risikofaktoren wie Rauchen, Alter, Stoffwechselstörungen und Entzündungsneigung können eine Rolle spielen. Trotzdem ist es kein guter Plan, eine nachgewiesene chronische Entzündung über Jahre unbehandelt zu lassen.

Bei Schwangerschaft, eingeschränkter Immunabwehr oder schweren Allgemeinerkrankungen verdient die Situation besondere Aufmerksamkeit. Auch das Risiko, dass bakterienhaltiger Mundinhalt in die Atemwege gelangt, kann bei bestimmten vorerkrankten Menschen relevant sein. Die richtige Konsequenz lautet nicht Panik, sondern Befund und Behandlung: Entzündete Taschen gehören abgeklärt, gerade wenn weitere gesundheitliche Belastungen hinzukommen.

Prävention und Erhalt: Strategien gegen den Zahnfleischrückgang

Nach der professionellen Therapie beginnt die Phase, in der sich entscheidet, ob der Zustand stabil bleibt. Eine gereinigte Tasche bleibt nicht automatisch dauerhaft gesund. Wenn sich am Zahnfleischrand erneut Biofilm ansammelt, kann die Entzündung zurückkehren. Die Erhaltungsphase, häufig als unterstützende Parodontitistherapie organisiert, ist daher kein Zusatz für besonders gründliche Menschen. Sie ist ein wesentlicher Teil der Behandlung.

Die Intervalle richten sich nach dem individuellen Risiko. Wer bereits tiefe Taschen, Knochenabbau, Rauchen oder einen schlecht eingestellten Diabetes mitbringt, braucht eine andere Nachsorge als jemand mit einem frühen und schnell stabilisierten Befund. In regelmäßigen Abständen werden Zahnfleisch, Blutung, Taschentiefen und Beläge kontrolliert. Problemstellen lassen sich so behandeln, bevor aus einer kleinen Verschlechterung wieder ein größerer Entzündungsherd wird.

Die häusliche Seite dieser Gleichung ist nicht weniger wichtig. Sie besteht aus wenigen, aber konsequenten Schritten:

  • Eine weiche oder mittelharte Zahnbürste wird mit wenig Druck am Zahnfleischsaum geführt. Entscheidend ist nicht, das Zahnfleisch wegzuschrubben, sondern den Belag am Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch regelmäßig zu stören.
  • Interdentalbürsten sollten so gewählt werden, dass sie den Zwischenraum ausfüllen, ohne mit Gewalt hindurchgedrückt zu werden. Welche Größe passt, lässt sich am besten in der Praxis zeigen.
  • Zahnseide kann an engen Kontaktpunkten sinnvoll sein, ist aber nicht für jeden offenen oder größeren Zwischenraum das wirksamste Hilfsmittel.
  • Eine Mundspülung kann in bestimmten Situationen ergänzen. Chlorhexidin ist kein Produkt für den dauerhaften Gebrauch ohne Anweisung, weil Verfärbungen und Geschmacksveränderungen auftreten können.
  • Nach einer parodontalen Behandlung sollten die empfohlenen Kontrolltermine eingehalten werden, auch wenn das Zahnfleisch gerade nicht blutet.

Zahnfleischrückgang durch Taschen stoppen

Zahnfleischrückgang hat mehrere mögliche Ursachen. Eine Parodontitis kann den Zahnhalteapparat und den Knochen abbauen, woraufhin sich das Zahnfleisch zurückzieht. Zu kräftiges Putzen, eine ungünstige Zahnstellung oder dünnes Gewebe können ebenfalls beteiligt sein. Deshalb lässt sich nicht jede freiliegende Wurzel allein durch eine Taschenreinigung wieder bedecken.

Was sich aber stoppen lässt, ist der entzündliche Prozess, der den Rückgang weiter antreibt. Dafür müssen die Taschen kontrolliert, die Wurzeloberflächen gereinigt und die auslösenden Faktoren reduziert werden. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Chancen, Zähne und Gewebe langfristig zu stabilisieren. Bereits verlorener Knochen wächst durch eine Mundspülung nicht nach. In ausgewählten Fällen können regenerative chirurgische Verfahren geprüft werden – allerdings erst, wenn die Entzündung kontrolliert ist und die häusliche Pflege zuverlässig funktioniert.

Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor bleibt das Rauchen. Nikotin kann die Durchblutung und die Immunreaktion des Zahnfleisches verändern und den Therapieerfolg verschlechtern. Wer raucht und gleichzeitig sehr gründlich putzt, gleicht diese Belastung nicht automatisch aus. Auch unausgewogene Ernährung, chronischer Stress und ein nicht eingestellter Diabetes können die Entzündungsneigung erhöhen. Das ist keine Moralfrage, sondern Teil der medizinischen Ausgangslage.

Wann der Griff zum Hausmittel aufhört und der Weg in die Praxis beginnt

Die Faustregel ist unbequem, aber klar: Solange das Zahnfleisch blutet, gerötet ist oder wiederholt anschwillt, sind Spülungen und Tees höchstens Begleitmaßnahmen. Sie können das Gefühl im Mund verändern, aber sie beantworten nicht die Frage, ob sich unter dem Zahnfleischrand eine behandlungsbedürftige Tasche befindet.

Dringlicher wird es bei Eiter, einer schmerzhaften Schwellung, Fieber, einem plötzlich lockeren Zahn oder starken Beschwerden. In solchen Fällen sollte die Ursache zeitnah zahnärztlich abgeklärt werden. Auch ein Zahnfleischrückgang ohne Schmerzen verdient eine Untersuchung, weil der Knochenabbau bei Parodontitis lange unbemerkt bleiben kann.

Die sinnvolle Reihenfolge bleibt dieselbe: erst Befund, dann Reinigung, dann Erhaltung, dann Kontrolle. Hausmittel haben in dieser Kette ihren Platz – am Rand, nie in der Mitte. Sie können die tägliche Pflege ergänzen, aber keine tief sitzenden Bakterien und keinen Zahnstein aus einer entzündeten Tasche entfernen.

Wer Zahnfleischtaschen effektiv säubern möchte, beginnt deshalb nicht mit dem Vergleich verschiedener Spüllösungen, sondern mit der Frage, wie tief die Tasche tatsächlich ist und wodurch sie entstanden ist. Eine professionelle Zahnfleischtaschenreinigung ist keine Niederlage der eigenen Mundhygiene. Sie ist die notwendige Korrektur an einer Stelle, die man selbst nicht sehen und mit Hausmitteln nicht zuverlässig erreichen kann.

Häufige Fragen

Helfen Hausmittel wie Salzwasser oder Kräuterspülungen gegen Zahnfleischtaschen?
Hausmittel können gereiztes Gewebe kurzzeitig beruhigen oder lose Speisereste entfernen, sie erreichen jedoch keine tief sitzenden Bakterien oder fest haftenden Zahnstein in der Tasche.
Woran erkenne ich, dass ich eine professionelle Zahnfleischbehandlung benötige?
Anzeichen wie wiederholtes Zahnfleischbluten, Schwellungen, Mundgeruch, Zahnfleischrückgang oder lockere Zähne sollten zahnärztlich abgeklärt werden, da sie auf eine behandlungsbedürftige Parodontitis hindeuten können.
Kann ich Zahnstein in den Zahnfleischtaschen selbst entfernen?
Nein, Zahnstein unterhalb des Zahnfleischsaums ist mit Zahnbürsten, Interdentalbürsten oder Mundduschen nicht erreichbar und erfordert eine professionelle mechanische Reinigung durch die Zahnarztpraxis.
Warum ist eine professionelle Taschenreinigung bei Parodontitis notwendig?
Ziel der Behandlung ist es, die Entzündungsursache zu beseitigen, indem bakterielle Beläge und Konkremente von der Wurzeloberfläche entfernt werden, um den weiteren Abbau von Zahnhalteapparat und Knochen zu stoppen.
Ist eine Zahnfleischtaschenreinigung schmerzhaft?
Die Behandlung kann empfindlich sein, weshalb bei Bedarf eine örtliche Betäubung eingesetzt wird. Nach der Reinigung können vorübergehend Spannungsgefühle oder empfindliche Zahnhälse auftreten.