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Moderne Zahnmedizin auf Augenhöhe erklärt.

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Mehr Zeit für Patienten: Wie KI und strukturierte Daten die Zahnmedizin effizienter machen

Laut einer aktuellen Forschungsarbeit der Semmelweis-Universität in Budapest könnte künstliche Intelligenz der Schlüssel zu mehr Zeit in der Zahnarztpraxis sein.

aktualisiert 05. September 2026

Mehr Zeit für Patienten: Wie KI und strukturierte Daten die Zahnmedizin effizienter machen

Dr. Réka Bagdy Bálint, Kieferorthopädin und Kinderzahnärztin mit über zehn Jahren klinischer Erfahrung, hat in ihrer Doktorarbeit ein System entwickelt, das strukturierte klinische Daten automatisch erfasst und Röntgenbilder per KI auswertet. Weniger Dokumentationsaufwand bedeutet mehr Raum für persönliche Betreuung – ein Thema, das jede Patientin und jeden Patienten direkt betrifft.

Wenn Daten die Behandlung ausbremsen

An der zahnmedizinischen Fakultät der Semmelweis-Universität in Budapest werden pro Jahr bis zu 500.000 Patienten versorgt. Allein die kinderzahnärztliche Abteilung betreut rund 200 Kinder am Tag. Das erzeugt eine enorme Arbeitslast – und eine riesige Menge an klinischen Daten. Kieferorthopädische Behandlungen ziehen sich häufig über zwei bis drei Jahre, in denen Befunde aus verschiedenen Untersuchungen verstreut in unterschiedlichen Systemen oder als Freitext dokumentiert werden. Für große Studien ist das ein erhebliches Hindernis, wie Bagdy Bálint in ihrer Forschung feststellte.

Die Lösung: ein integriertes System, das während der Routinebehandlung automatisch ein strukturiertes klinisches Register aufbaut. Dieses Register dient zugleich als Grundlage für Forschung und für künftige automatisierte Entscheidungshilfen – eine Win-win-Situation für Praxis und Wissenschaft.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Fortschritt bei der kephalometrischen Analyse. Aus seitlichen Röntgenbildern des Kopfes werden die Positionen von Kieferknochen und Zähnen zueinander vermessen – eine Standarduntersuchung für die kieferorthopädische Behandlungsplanung. Früher dauerte die manuelle Auswertung per Transparentpapier, Bleistift und Lineal etwa eine halbe Stunde. Software verkürzte die Zeit auf rund sechs Minuten. Auf Basis von etwa 1.400 annotierten Röntgenbildern trainierte die Forscherin gemeinsam mit Informatikern ein KI-Modell, das die Analyse in weniger als einer halben Sekunde durchführte – und dabei bei den meisten Messpunkten konstanter arbeitete als die manuelle Expertenauswertung.

Sicherheit bei der Betäubung: neue Daten für Diabetiker

Ein zweiter aktueller Befund betrifft Patienten mit Typ-2-Diabetes, bei denen die Wahl des Betäubungsverfahrens besondere Sorgfalt erfordert. Eine randomisierte klinische Studie mit 120 Erwachsenen verglich die intraseptale Lokalanästhesie mit dem intraligamentären Verfahren bei Zahnextraktionen. Die intraseptale Variante erzielte bei seitlichen Schneidezähnen im Oberkiefer eine Erfolgsrate von 100 Prozent, während die intraligamentäre auf 93,3 Prozent kam. Die Betäubungsdauer war ebenfalls deutlich länger – rund 60 Minuten gegenüber etwa 46 Minuten –, und das bei stabilen kardiovaskulären Werten. Die Forschenden empfehlen weitere multizentrische Studien, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Was das für Ihren nächsten Termin bedeutet

Beide Befunde zeigen: Die Zahnmedizin entwickelt sich weiter – hin zu mehr Präzision, mehr Sicherheit und mehr Zeit für den Menschen im Behandlungsstuhl. Die neuen Technologien stecken noch in der Erprobung, doch die Richtung ist klar: Weniger Routineaufwand für das Praxisteam bedeutet mehr Raum für das, was gute Zahnmedizin ausmacht – persönliche Beratung und individuelle Betreuung.

Das können Sie mitnehmen:

  • Fragen Sie beim nächsten Termin, ob Ihre Praxis digitale Röntgenauswertungen nutzt.
  • Strukturierte Befunderfassung erleichtert die Nachverfolgung Ihrer Zahngeschichte – auch bei einem Praxiswechsel.
  • Haben Sie Typ-2-Diabetes? Sprechen Sie Ihr Praxisteam darauf an – moderne Betäubungsverfahren können Vorteile bieten.
  • Trauen Sie sich, nach neuen Technologien zu fragen. Eine Praxis, die mit der Zeit geht, investiert langfristig in Ihre Zahngesundheit.